EsoterikerInnen bei den Grünen – Von der größten Schwäche einer kleinen Partei

Wenn man bei den Grünen eintritt, dann weiß man, dass man sich damit in ein Esoterik-freundliches Umfeld begibt. Ein Umfeld, in dem kruden Weltverschwörungs- und -errettungsfantasien teilweise größeres Verständnis entgegengebracht wird als anderswo. Schon nach wenigen Wochen merkt man, dass es zwei Sorten von Grünen gibt: Die, die Mitglied werden weil sie den Kampf für Homöopathie und oft auch gegen Impfungen ähnlich wichtig finden wie die Senkung der CO2-Emissionen. Auf der anderen Seite die, die trotz der in ihrer Omnipräsenz oft nur schwer erträglichen EsoterikfanatikerInnen bei den Grünen sind, weil ihnen all die anderen Themen zu wichtig sind und sie über das bisschen Esoterik schon irgendwie hinwegsehen können.

Esoterik bei den Grünen fällt seit jeher auf fruchtbaren Boden – das bekannteste und bei den Grünen am stärksten grassierende Beispiel ist das der Homöopathie. Aber auch die anthroposophischen Lehren Rudolf Steiners in Form von demeter-Landbau bis Waldorfpädagogik, Technikphobie und auch die sehr gefährliche Impfkritik finden bei den Grünen zuverlässig politische FürsprecherInnen und DurchsetzerInnen. Ohne die Grünen und die durch sie initiierten Wahltarife der gesetzlichen Krankenkassen wäre es heute nicht möglich, dass gesetzliche Krankenversicherer Methoden wie Homöopathie und “Eigenharntherapie” auf Kosten der Solidargemeinschaft erstatten dürfen, entgegen aller wissenschaftlichen Unwirksamkeitsnachweise.

Es ist an anderer Stelle schon vielfach und sehr gut dargestellt worden, warum die Wirksamkeit z.B. von Homöopathie abschließend ausgeschlossen werden kann, u.a. im exzellenten “Programm Evaluation Komplementärmedizin” des schweizerischen Bundesamtes für Gesundheit. Wenn man es jedoch wagt als Grüne, innerhalb der Grünen, mit Anträgen oder Beschlüssen die grüne Förderung der Homöopathie zu kritisieren, schlägt einem das  Unverständnis einer sich plötzlich aufbauenden Front von Homöopathiefans sehr kalt ins Gesicht. Man muss sich sofort als “SchulmedizinerIn” und als “VerbündeteR der Pharmaindustrie” beschimpfen lassen. Führende Bundestagsabgeordnete fragen, warum man so “fanatisch” gegen Homöopathie agiere, und erzählen Geschichten von der eigenen Stuhlgangtherapie.

Es ist nicht so, als ob es keine positiven Anzeichen für eine vorsichtige Wandlung der Grünen hin zu einer aufgeklärteren Partei gäbe – die vergangene Bundesdelegiertenkonferenz ging beispielsweise konform mit Steffi Lemkes Aussage, dass der “allgemeine Zugang zu AlternativmedizinerInnen” keine zentrale Frage für das Bundestagswahlprogramm darstelle. Es war auch die gleiche Bundesdelegiertenkonferenz die anschließend beschloss, dass grüne Gesundheitspolitik sich nicht mehr als primär “ganzheitlich”, sondern “ortsnah und bedarfsgerecht” versteht. Aber auch im dort beschlossenen Wahlprogramm für die kommende Bundestagswahl werden wieder öffentliche Forschungsgelder für “Alternativmedizin” gefordert, und die Entwicklung solcher Forschungsmethoden, die die “Wirksamkeit” von Alternativmedizin nachweisen könnten. Wenn “herkömmliche” Wissenschaft keine Wirksamkeit zeigen kann, muss eben auch gleich eine neue, passend gemachte Wissenschaft her. Das ist leider grüne Logik im aktuellen Wahlprogramm:

“Es sind geeignete Methoden zum Wirksamkeitsnachweis für die Komplementärmedizin als auch andere medizinische Bereiche (z.B. Physio- oder Psychotherapie) zu entwickeln. Dafür sind öffentliche Forschungsgelder zur Verfügung zu stellen.”

Die gesamte Wissenschaftsfeindlichkeit großer und meinungsbildender Teile der Grünen verdichtet sich beispielhaft in einer Figur: Barbara Steffens, erste grüne Gesundheitsministerin auf Landesebene.

Es ist peinlich in einer Partei Mitglied zu sein, deren erste Landes-Gesundheitsministerin in wöchentlichen Abständen WissenschaftlerInnen in ihrer Gesamtheit als “anmaßend” beschimpft, auf der anderen Seite aber Sitze für Homöopathie-QuacksalverInnen in den zentralen Gremien der Gesundheitspolitik wie dem Gemeinsamen Bundesausschuss fordert und dafür von keineR einzigen führenden Grünen öffentlich zur Rechenschaft gezogen wird.

Denn: Eine grüne Partei, die ganz offen Wissenschaft verhöhnt macht sich mitverantwortlich an der Verdummung der Gesellschaft. Sie beteiligt sich daran knappe Ressourcen zu verschwenden und den Ruf von WissenschaftlerInnen fahrlässig zu beschädigen. Sie verhindert damit den gesellschaftlichen Fortschritt, als dessen Wegbereiterin sie sich selbst so gern rühmt.

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25 thoughts on “EsoterikerInnen bei den Grünen – Von der größten Schwäche einer kleinen Partei

  1. greenythekid says:

    Ganz ehrlich, das ist ein wenig polemisch am Anfang ausgedrückt und stimmt einfach nicht…”Wenn man bei den Grünen eintritt, dann weiß man, dass man sich damit in ein Esoterik-freundliches Umfeld begibt.”

  2. […] wird die Kritik aber unsachlich oder kommt allzu pointiert daher. Unsachlich ist sie, weil sie beispielsweise bei den Ruhrbaronen von einem Autoren erhoben […]

  3. Marvin K. says:

    1. Ein Großteil dieses Beitrags ist wenig wissenschaftlich hinterlegt und baut auf Vorurteilen auf!

    2. Die Aussage von Frau Steffens in dem Video ist wissenschaftlich korrekt. Selbst Mediziner, wie ich selbst, sind dieser Auffassung, obwohl ich allgemein eine eindeutige Grenze zwischen Homöopathie und Schulmedizin.
    In manchen Fällen ist eine homöopathische Medikation durchaus sinnvoll, gerade bei leichten Erkrankungen. Die positive Wirkung esoterischer Methoden auf den Körper ist sehr wohl nachgewiesen ,denn diese Methode wirken für viele beruhigend und für leichte oder stressbedingte Erkrankungen sehr sinnvoll.

    3. Die Wissenschaft anzuzweifeln ist wichtig. Selbst Wissenschaftler zweifeln ständig daran, ob eine Studie, Forschungsergebnis oder Medikamente wirklich glaubwürdig sind. So funktioniert Wissenschaft. Als Mediziner muss man ständig auf dem Laufenden sein und man kann sagen, dass rund 98% aller wissenschaftlichen Studien falsch oder gar inkonsistent sind. Wenn man genug Geld hat, kann jeder eine Studie mit gewünschtem Ergebnis in Auftrag geben.

    4. Viele wissenschaftlich angepriesene Methoden sind nicht immer sinnvoll. Als Beispiel einmal etwas aus meinem Alltag:
    Wenn man bei einem jungen Mann eine echte Gynäkomastie (Männerbrust durch vergrößerte Brustdrüsen) diagnostiziert, so ist es wissenschaftlich üblich, diesem Tamoxifen (o.ä.) zu verschreiben und dann abzuwarten. Dieses Medikament ist eigentlich ein Mittel gegen Brustkrebs und entsprechend aggressiv. Es können ernst zu nehmende Nebenwirkungen auftreten und eine Verbesserung der Gynäkomastie ist nur sehr selten zu beobachten. Dafür ist das Medikament sehr teuer, was vermuten lässt, dass hier durch Lobby-Arbeit in der Wissenschaft einfach auf gesundheitliche Kosten des Patienten Gewinn gemacht werden soll. Mit einem homöopathischen Mittel erreicht man, nicht zuletzt wegen einem potentiellen Placebo-Effekt, ebenso viele geheilte Patienten, aber ohne diesen ernsthaft zu gefährden.

    • smolfi says:

      “[…] abzuwarten […]”

      Ein Arzt sollte doch dazu in der Lage sein, einen Patienten ohne Rezept wieder nach Hause zu schicken, nein, er muss es geradezu, um seine Integrität zu wahren.
      Wenn Homöopathie als Auffangbecken für unrealistische Vorstellungen der medizinischen Kunst herhalten muss, ist das ein Zeichen dafür, dass Arzt und Patienten nicht ehrlich zu sich selbst und zueinander sind.

      • Marvin says:

        Das “abzuwarten” bezog sich auf die Schulmedizin, da es mit diesem Mittel bis zu 6 Monate dauern kann, bis eine sehr unwahrscheinliche Heilung eintritt. Dennoch wollen die Patienten bei diesem Mittel unbedingt eine Besserung, da es.auch psychisch oft sehr belastend ist. In diesem Fall gibt es viele Patienten, die die homöopathischen Mittel bevorzugen, da sie weniger aggressiv sind, aber gleiche Heilungswahrscheinlichkeiten zeigen. Gerade hier wünschen sich die Patienten eine Heilung durch das Medikament, sodass sich dadurch die Heilungschance vergrößert. Die homöopathischen Mittel besitzen aber auch einen Wirkstoff, der je nach Konzentration auch wirkt. In der Natur gibt es viele Pflanzen, die in höherer Konzentration gegen die angesprochenen Symptome wirken (z.B. Brokkolisprossen). Dies ist sogar nachgewiesen!

        Und ich lasse mir nicht von einem Laien nichts über ein Vertrauensverhältnis zum Patienten erzählen. In vielen Fällen wirken homöopatische Mittel auch wegen ihrem Wirkstoff. Wenn es oft keine anderen oder offenbar unnötig aggressive Wege gibt, dann bespricht man alternative Heilungsmethoden. Wenn der Patient diesen vertraut, dann ist das eindeutig die beste Lösung. Ein gewöhnliches Medikament würde auch viel schlechter wirken, wenn der Patient nicht daran glaubt, davon ist die Wissenschaft selbst überzeugt. In ernsten Fällen, wie fortgeschrittene Entzündungen sollten dagegen nur schulmedizinische Medikamente verabreicht werden, da diese oft gezielter wirken und man hier die Risiken in Kauf nehmen kann.

        Ich selber bin kein Grüner, habe sie auch nie gewählt. Ich möchte hier nur einmal die fachliche Seite erklären, da hier im Beitrag scheinbar gar nicht recherchiert wurde und Fakten einfach falsch dargestellt werden. Man sollte sich in diesem Fall fragen, ob man sich nicht selbst belügt, wenn man Fakten missachtet, sich nicht gut informiert und damit eine politische Meinung aufgebaut wird.
        Die Wissenschaft hat nicht zuletzt den Grünen vieles zu Verdanken, und das wissen die meisten zu schätzen. Dank der “grünen Aufklärung” erhalten viele Forschungsinstitute mehr Geld und andere Mittel um alternative Methoden (erneuerbare Energien,…), aber auch herkömmliche Methoden zu untersuchen. Die anderen Parteien würden den Klimawandel immer noch leugnen.
        Ich habe den Eindruck, dass hier besonders wissenschaftsferne Menschen Beiträge über die Wissenschaft verfassen. Wärt ihr selber Wissenschaftler, wüsstet ihr, dass jede Behauptung belegbar sein muss und in einem solchen Text wie oben sämtliche Quellen anegeben werden sollten.

        • paulalouize says:

          Salut Marvin,

          im Text ist explizit darauf hingewiesen, wo eine wissenschaftlich fundierte Aufarbeitung der Unwirksamkeit von Homöopathie zu finden ist. Sie können sich gern mit konkreten Kritikpunkten an zB. der Metaanalyse von Shang et al. im Lancet (http://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(05)67177-2/abstract) an uns wenden.
          Darüberhinaus hat die Autorin bereits selbst wissenschaftlich publiziert, Sie müssen sich also keine Sorgen machen dass hier “besonders wissenschaftsferne Menschen” Beiträge verfassen. Ich bitte Sie außerdem, beleidigende Aussagen gegenüber anderen KommentatorInnen zu unterlassen. Vielen Dank für Ihr Verständnis.

          • Marvin says:

            Dann sollte die Autorin ja sicher wissen, wie aussagekräftig Studien in Wirklichkeit sind. Zu jeder Studie gibt es eine Gegenstudie. Außerdem kenne ich die besagte Quelle bereits und sie sagt nichts darüber aus, ob Homöopathie dennoch sinnvoll ist. Warum es sinnvoll ist, habe ich oben beschrieben und kann ich belegen, falls gefordert. Da es hier aber nicht mein Blog ist, bin ich dazu nicht verpflichtet und ehrlich gesagt, habe ich besseres zu tun, als hier über das ewige Thema zuunterhalten. Seit Jahren versucht die Pharmaindustrie schon Ärzte “zu kaufen” und Ihre Meinung wissenschaftlich zu belegen, um Profit zu machen. Das Risiko liegt dort bei den Patienten. Bisher gelang es aber immer, ein passendes und nicht weniger glaubwürdiges Gegenargument zu finden. Ich als Mediziner setze natürlich oft auch auf die Schulmedizin (weit über 80% der Fälle), aber es gibt durchaus Fälle (s.o.) bei denen Homöopathie sinnvoller ist.

          • Dan says:

            Hey Marvin,

            Du weißt aber schon, was eine Metastudie ist, wie Evidenzbasierte Medizin funktioniert und warum es mit einer einzelnen, weiteren Studie nicht getan ist? Wegen Einzelmeinungen soll die Solidargemeinschaft zahlen? Hackt es denn? Du kannst gerne Deinen Brokkoli verschreiben. Als Privatleistung an denjenigen, der es will. Beklopptheit kann man nicht verbieten; aber wenn Nepp staatlich gefördert wird, rollen sich mir die Fußnägel auf.

        • der Michi says:

          “In diesem Fall gibt es viele Patienten, die die homöopathischen Mittel bevorzugen, da sie weniger aggressiv sind, aber gleiche Heilungswahrscheinlichkeiten zeigen.”

          Grandios! Wo wurde das publiziert? Quellen? Belege?

          “Gerade hier wünschen sich die Patienten eine Heilung durch das Medikament, sodass sich dadurch die Heilungschance vergrößert.”

          Patienten, die mit Tamoxifen behandelt werden, wünschen sich ganz genauso eine Heilung durch das Medikament. Die sog. Alternativmedizin hat kein Monopol auf den Placeboeffekt – den kriegt man auch bei jedem echten Medikament obendrauf dazu.

          “Die homöopathischen Mittel besitzen aber auch einen Wirkstoff, der je nach Konzentration auch wirkt.”

          Nein, homöopathische Mittel besitzen keinen Wirkstoff. Das ist es ja gerade.

          —-

          “In der Natur gibt es viele Pflanzen, die in höherer Konzentration gegen die angesprochenen Symptome wirken (z.B. Brokkolisprossen).”

          Das ist kein Argument für die Homöopathie. Die Inhaltsstoffe, die den Pflanzen ihre pharmakologische Wirksamkeit verleihen, sind in den entsprechenden homöopathischen Präparaten schließlich garnicht mehr vorhanden…

    • der Michi says:

      “1. Ein Großteil dieses Beitrags ist wenig wissenschaftlich hinterlegt”

      Ich sehe nicht, wo der Autor wissenschaftliche Behauptungen in den Raum gestellt hätte, die irgendwie belegt werden müssten…

      “2. Die Aussage von Frau Steffens in dem Video ist wissenschaftlich korrekt.”

      Wirklich? Frau Steffens behauptet, dass Homöopathie “wirkt”. Das ist schon mal diskussionswürdig. Nach allem, was man heute sagen kann, verfügt Homöopathie über keine Wirkung, die über den Placeboeffekt hinausgeht.

      Dass wir uns hier nicht falsch verstehen: Natürlich kann dieser in bestimmten Fällen sinnvoll genutzt werden. Allerdings kann der Placeboeffekt kein Maßstab für die medizinische Definition von “Wirksamkeit” sein – denn sonst müsste man konsequenter Weise auch Tieropfer, Voodoo-Tänze, Geisterbeschwörung oder Handauflegen zu den “wirksamen Behandlungsmethoden” zählen. Immerhin bringen selbige mindestens den gleichen Placeboeffekt mit sich wie irgendwelche homöopathischen Zuckerkügelchen…

      Aber selbst wenn wir über diese fragwürdige Definition von “Wirksamkeit” großzügig hinwegsehen, ist Frau Steffens Aussage ein Armutszeugnis. Schließlich versteigt sie sich zum Ende hin in die unglaubliche Behauptung, dass es “anmaßend” wäre “Krankheits- und Genesungsprozesse” naturwissenschaftlich zu erklären. Das muss man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen. Wir haben hier eine Gesundheitsministerin (!) vor uns, die im Grunde den gesamten medizinischen Fortschritt seit Paracelsus negiert…

      Vor diesem Hintergrund bin ich dann doch ein wenig überrascht, dass Du als Arzt bereit bist ihre Aussage mitzutragen…

      “3. Die Wissenschaft anzuzweifeln ist wichtig.”

      Natürlich ist es wichtig, Forschungsergebnisse anzuzweifeln und gegebenenfalls (mit wissenschaftlichen Mitteln) kritisch zu überprüfen. Aber das ist nicht die Geisteshaltung der Esoterik-Fraktion. Im Gegenteil – diese Leute lehnen die evidenzbasierte, wissenschaftliche Methodik als solche ab. Das ist von der Sache her etwas völlig anderes…

      “Dieses Medikament ist eigentlich ein Mittel gegen Brustkrebs und entsprechend aggressiv.”

      Das ist jetzt aber schon ein bisschen reißerisch ausgedrückt. Wenn man von “Mitteln gegen Brustkrebs” spricht, denken die meisten Leute sofort an Cytostatika mit ihren heftigen Nebenwirkungen wie Erbrechen, Knochenmarksschädigung, Haarausfall, Induktion von Zweittumoren usw. Und das Wörtchen “aggressiv” treibt diesen Eindruck auf die Spitze…

      Um also hier also für ein bisschen Objektivität zu sorgen: Tamoxifen ist kein Cytostatikum, sondern ein so genannter “SERM” (- also eine Substanz, die die Estrogen-Rezeptoren im Brustgewebe blockiert). Das kann zwar (w jede medikamentöse Therapie)mit gewissen Nebenwirkungen einhergehen – allerdings unterscheiden sich diese in Hinblick auf den Schweregrad doch deutlich von denen der Cytostatika…

      Die Assoziationen, die mit der obigen Beschreibung geweckt werden, sind also hochgradig irreführend.

      “Es können ernst zu nehmende Nebenwirkungen auftreten und eine Verbesserung der Gynäkomastie ist nur sehr selten zu beobachten.”

      Das ist nicht ganz falsch – die Evidenz für die Anwendung von Tamoxifen als first-line-Therapie bei jugendlicher Gynäkomastie ist in der Tat ziemlich dünn. Aber wie kommst Du drauf, dass es sich dabei um eine “wissenschaftlich angepriesene Methode” handeln würde? In der Tat ist Tamoxifen für diesen Zweck nicht einmal zugelassen – wenn es angewandt wird, dann passiert das off-label.

      “Dafür ist das Medikament sehr teuer, was vermuten lässt, dass hier durch Lobby-Arbeit in der Wissenschaft einfach auf gesundheitliche Kosten des Patienten Gewinn gemacht werden soll.”

      Diese Verschwörungstheorie ist nun wirklich an den Haaren herbeigezogen. Tamoxifen ist längst als Generikum auf dem Markt, und dementsprechend spottbillig: 100 Tabletten a 20mg sind für knappe 20 Euro zu haben.

      “Mit einem homöopathischen Mittel erreicht man, nicht zuletzt wegen einem potentiellen Placebo-Effekt, ebenso viele geheilte Patienten, aber ohne diesen ernsthaft zu gefährden.”

      Auch das ist eine sehr gewagte Aussage. Der Placeboeffekt mag probat sein um Schlafstörungen, Zahnschmerzen oder ein diffuses Gefühl von Unwohlsein zu behandeln. Aber bei endokrinen Störungen wie jugendlicher Gynäkomastrie stößt er irgendwo an seine Grenzen…

  4. Diethelm H. says:

    Viele Grüne sind selbst Wissenschaftler. In meiner Fakultät für Physik z.B sind ca. 40% der Wissenschaftler bekennende Grüne. Viele Grüne, auch in den Führungspositionen sind Studierte Wissenschaftler (Rechts-/Gesellschafts-/ Wirtschaftswissenschaftler).
    Statistiken zeigen, dass die Grünen sogar mit die meisten Wissenschaftler in der Partei und unter den Sympathisanten haben. Man sollte sich vielleicht mal informieren!

    Scheinbar werden hier Fakten verdreht! Ergo: Dieser Seite trägt zur Volksverdummung bei!

    • Michael Rose says:

      Die Kausalkette “Höchster Akademikeranteil” – “Faktenverdrehung” müssten Sie noch mal ausführlicher angehen.

      Im Übrigen ist ein hoher Akademikernateil an sich kein Beweis für Kompetenz – schließlich lernt ein Politikwissenschaftler relativ wenig über Medizin, ein Ökonom quasi nichts über Außenpolitik, etc. Allen gemein ist nur, dass sie eine Grundausbildung in wissenschaftlichem Arbeiten erhalten haben. Erst von dieser Warte heraus ist zu fragen, warum (wissenschaftlich ausgebildete) Grüne (nicht wissenschaftlich fundierte) Politik mittragen und sogar beschließen!

  5. Arno Nym says:

    Schade, dass man bei dem ach so hohen Akademikeranteil anscheinend keine kompetente Besetzung für das Gesundheitsministerium in NRW finden konnte, sondern eine Studienabbrecherin mit Hang zur Esoterik auserwählen musste. Bei anderen Parteien, abgesehen von den Violetten, wenig bis gar nicht vorstellbar

    • Diethelm H. says:

      Stimmt natürlich, die anderen Parteien nehmen da lieber Betrüger, die ihre Doktorarbeit vorsätzlich kopieren und somit die Wissenschaft hintergehen.
      Übrigens beenden einige ihr Studium ohne Abschluss, wenn sie es nicht für notwendig halten. Das heißt nicht, dass man nicht kompetent ist. Als Politiker in einem Ministerium muss man keinen akademischen Abschluss haben. Man muss lediglich politisch handeln können. Fast alle Minister/Politiker haben eigentlich nicht so viel Ahnung von dem, was sie tun. Dafür gibt es wissenschaftliche Berater und Lobbyisten!

  6. Stefan says:

    Die Technik- und Wissenschaftsfeindlichkeit der Grünen, gepaart mit ihrem Hang zur Zwangsbeglückung andersdenkender Mitmenschen ist der Grund, warum ich diese Partei nicht wählen kann. Es ist aber sehr interessant zu lesen, wie über dieses Problem von Parteimitgliedern nachgedacht wird.

    Ich finde den Umgang der Grünen mit Wissenschaft und Technik sehr gefährlich für unser Land, da die Grünen technische Neuerungen und Entwicklungen nicht einfach vernünftig politisch begleiten, sondern versuchen durch Propaganda aus jedem noch so unsinnigen Anti-[setze hier etwas beliebiges ein]-Protest Wählerstimmen zu schlagen. Werden die Grünen dann an die Regierungsmacht gespült, ist das Erwachen oft groß. Plötzlich reiben sich die regierenden Grünen verwundert die Augen, dass das “Volk” den neuen Bahnhof will, den Nationalpark im Schwarzwald aber ablehnt usw.

    Mich würde interessieren, wie es die hier anwesenden Grünen empfinden, wenn Frau Roth mal so locker nebenbei dem Fukushima-Störfall zigtausende Tote andichtet und dabei unter den Tisch fallen lässt, dass es da ja auch einen Tsunami gab. Mich würde interessieren, ob Grüne ideologisch so verblendet sind, dass sie Sachverhalte nicht mehr korrekt wiedergeben können, oder ob das grüne Spitzenpersonal zwar weiß, dass es Unsinn redet, aber die Machtgeilheit doch größer als der Wahrhheitsanspruch ist.

    • Michael Rose says:

      Leider muss ich Ihnen als Parteimitglied da Recht geben. Beispiele gibt es zu Hauf:
      Gentechnik
      Nahrungsmittel”spekulation”
      CO2-Verkappung
      Homöpathie
      Euro”rettung”
      Forschung mit embryonalen Stammzellen

      • Michael Rose says:

        Ein recht junges Beispiel, wie grüne Politik im Deckmantel des Moralismus (Kinder!) auf unpassenden Studien und erfundenen Zahlen basiert:

  7. joerg says:

    Abgesehen davon, dass der Text von Paula wirklich sehr zugespitzt ist, finde ich ihn gut, weil er eine sachliche Debatte eröffnen kann. Allerdings führt diese Debatte ins Nichts, wenn sie mit unzulässigen und polemischen Verallgemeinerungen wie der von “Stefan” geführt wird. Die Grünen sind mitnichten eine technik- oder wissenschaftsfeindliche Partei. Der Kommentar des “Parteimitglieds” Michael Rose bestätigt dies nur. Vielleicht sollten sich “Stefan” und “Michael Rose” mal die Mühe machen, den Unterschied zwischen Technik- und Wissenschaftsfeindlichkeit und einer ethischen Rückbindung von Wissenschaft und Forschung zu ergründen. Vorsicht: Könnte zu Differenzierungen führen. Das von den beiden offenbar vertretene “Anything goes” hat nun wirklich gar nichts mit evidenzbasierter Medizin zu tun.

    • Michael Rose says:

      Nein, das ist Quatsch: Der Hang zu Esoterik speist sich aus demselben Missverständnis wie die grüne Abneigung gegen sonstige Wissenschaft, die – Achtung! – nicht ins Weltbild passt. Dann ist die Partei hochgradig technik- und wissenschaftsfeindlich. Meist sogar bevor positive Auswirkungen bekannt werden können.

  8. […] EsoterikerInnen bei den Grünen – Von der größten Schwäche einer kleinen P… – "Esoterik bei den Grünen fällt seit jeher auf fruchtbaren Boden – das bekannteste und bei den Grünen am stärksten grassierende Beispiel ist das der Homöopathie." […]

  9. Panagrellus says:

    Viele Grüne sind selbst Wissenschaftler.

    Ich denke, viele Wissenschaftler haben ein ambivalentes Verhältnis zu den Grünen, weil eben die Grünen ein ambivalentes Verhältnis zur Wissenschaft haben.

    Einerseits sind viele ihrer Kernthemen eben gerade durch Wissenschaftler überhaupt erst auf die politische Agenda gekommen, oder zumindest haben Wissenschaftler die Fakten beigesteuert:
    z.B. Umweltverschmutzung, Ressourcenverbrauch, Klimawandel, Artenschutz, Überfischung, alternative Energietechnologien.

    Aber dann gibt es mindestens genauso viele Bereiche, wo sich Wissenschaftler und Grüne heftig aneinander reiben:
    z.B. esoterische vs. evidenzbasierte Medizin, Atomenergie, Gentechnik (ob grün, rot oder weiss).

    Ist es nicht paradox, dass die Grünen z.B. beim Klimawandel die Studien aus der Forschung ernst nehmen, aber gleichzeitig grüne Gentechnik ablehnen? . Hier spielt halt doch sehr viel Ideologie mit rein, und das ist bei der Haltung zur EsoMedizin nicht anders.

    • Michael Rose says:

      So ist das. Was uns gefällt, wird vereinnahmt. Dann kann man hinterher sagen, man sei insgesamt eine wissenschaftliche Partei. Aber wehe, die Wissenschaft liefert Erkenntnisse contra die Parteiideologie: Dann ist die Wissenschaft “gekauft”, “uneins”, oder wird totgeschwiegen.

  10. jemseneier says:

    ich frag mich ja immer, ob man bei “Eigenharntherapie” nach der Logik der Grünen nicht noch Geld ´rauskriegt?
    … Ansonsten empfehle ich Fremdharntherapie, würde das mal direkt spontan für 500 EUR je Liter anbieten (Frau NRW-Gesundheitsministerin Steffens bekommt eine Probe vor free!!)

  11. […] findet sich in dem Blog Grüne Gesundheitspolitik ein Beitrag vom 31. Mai mit der […]

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